Ein starrer Sanktionenkatalog f√ľhrt immer zum selben Resultat: die Jugendlichen investieren ihre Energie in den permanenten Versuch, Schlupfl√∂cher zu finden, um die Strafen zu umgehen. So dressiert man √§usserlich √ľberangepasste Jugendliche, mit denen man zwar im Heimalltag wenig √Ąrger hat, bei denen aber kein innerer Reifungsprozess stattfindet.

 

Ein Sanktionenkatalog ist zudem unpersönlich: Wer sich die Sache A zu Schulde kommen lässt, den trifft die Strafe B - egal, um wen es sich handelt. Aber Strafen treffen jeden unterschiedlich. Beispielsweise können wir den Diebstahl eines Kleptomanen nicht gleich bestrafen wie den eines "Normalen", das macht keinen Sinn.

 

Wenn wir als P√§dagogen unsere Haltungen nur √ľber (strafende) Sanktionen deutlich machen k√∂nnen, dann ist etwas falsch. Grunds√§tzlich sind Strafsanktionen ein Zeichen unserer Hilflosigkeit: ein Jugendlicher √§ndert sein Verhalten nur √ľber die Einsicht, dass er positivere Auseinandersetzungen mit seiner Umwelt hat, wenn er sich an gewisse Abmachungen h√§lt. Sanktionen und Drohungen werden schnell zu p√§dagogischen Fallen.

 

In einer Krisenintervention kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. H√§tten wir im Riesbach einen rigiden Strafkatalog, so w√§re gar keine Orientierung m√∂glich. Der Jugendliche muss bei uns einen Spielraum f√ľr Fehlverhalten haben, ansonsten wird sein Problem gar nicht ersichtlich.